In den kommenden zehn Jahren müssen mehr als ein Viertel der deutschen Familienbetriebe die eigene Nachfolge regeln. Das Demographie-Problem manifestiert sich. Viele Geschäftsführer sind jenseits der 50er, doch die Zahl der jungen Unternehmer ist rückläufig, wie auch die Zahl der jungen Mitarbeiter.

 

In den kommenden zehn Jahren muss sich der deutsche Mittelstand nicht nur vermehrt mit der Digitalisierung auseinandersetzen, sondern auch mit der Frage nach dem richtigen Nachfolger. In Deutschland betrifft Letzteres rund 46.000 Mittelständler mit insgesamt 1,49 Millionen Angestellten wie eine aktuelle Studie von Ernst & Young (EY) zeigt. Demnach müssen etwa 28 Prozent der Familienbetriebe  in den nächsten zehn Jahren noch einen Nachfolger bestimmen. 13 Prozent der Unternehmen haben sogar nur mehr fünf Jahre Zeit dafür.

Das KfW-Mittelstandpanel vom April zeichnete sogar ein noch dramatischeres Bild. Demnach planen schon bis 2017 580.000 Mittelständler, das Unternehmen in die Hände eines Nachfolgers zu übergeben. Damals hieß es weiter: „Nicht bekannt ist, wie viele der KMU mit Nachfolgeplanungen aktuell schon einen konkreten Nachfolger gefunden haben.“

Die Unternehmensnachfolge im deutschen Mittelstand ist ein heikles Thema. Handelt es sich doch hier oft noch um familiengeführte Betriebe, die das Unternehmen gern weiter in den Händen der Familien wissen wollen. „Die Nachfolgeregelung ist ein kritischer und entscheidender Moment in der Entwicklung eines Familienunternehmens“, sagt Peter Englisch von EY. Schließlich gehe es um die künftige Führungs- und Eigentümerstruktur sowie den Erhalt des Lebenswerks. „Es ist oft keine rein geschäftliche Entscheidung, sondern es hängen auch viele Emotionen mit daran“.

Die Problematik der Nachfolge wird durch das Demographie-Problem in Deutschland noch verschärft. Die Zahl der jungen Gründer nimmt ab, die Zahl der Geburten ist weiterhin zu gering. Allein die Tatsache, dass 46.000 Mittelständler noch einen Nachfolger finden müssen, zeigt die Problematik. Über 1,3 Mio. Inhaber sind gegenwärtig bereits 55 Jahre oder älter, so die KfW. Am liebsten sehen die Unternehmer ihren Nachfolger in den eigenen Kindern. Doch die fehlende Kontinuität der Arbeitswelt, die Schnelllebigkeit und die immense Zahl der Möglichkeiten einer beruflichen Verwirklichung führen nicht selten zu Konflikten, wenn es darum geht, den Betrieb des Vaters oder der Mutter zu übernehmen. Zumal der Druck, das Lebenswerk zu erhalten immens ist.

Der zweite mögliche Weg, eine geeignete Nachfolge zu finden, geschieht häufig über einen leitenden Mitarbeiter (31 Prozent). Allerdings spielt hier die Altersstruktur auch eine entscheidende Rolle. Dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschungzufolge sind mittlerweile 19 Prozent aller Erwerbstätigen im Alter von über 55 Jahren. Zwar spricht nichts gegen einen Nachfolger im Alter von über 50, aber das bedeutet gleichzeitig, dass sich möglicher Weise in zehn Jahren für das entsprechende Unternehmen erneut die Frage nach der Nachfolge stellen wird.

„Innerhalb Deutschlands müssen sich vor allem kleinere Mittelständler und Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche nach einem Nachfolger für den Firmenlenker umsehen“, heißt es in der Studie. Schon jedes dritte Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 10 und 30 Millionen Euro muss sich hier in den kommenden zehn Jahren um eine geeignete Nachfolge kümmern. „In der Umsatzklasse 30 bis 100 Millionen Euro steht bei jedem fünften Unternehmen die Nachfolgeregelung an, bei den großen Mittelständlern mit über 100 Millionen Euro Umsatz nur bei jedem sechsten.“

Bei den Problemen in der Nachfolge im deutschen Mittelstand spielt auch das Erbe eine nicht geringe Rolle. Vor dem Hintergrund der Neuregelung der Erbschaftssteuer sei es deshalb wichtig, diese für die Betriebe so auszulegen, dass die Übergabe verlässlich geplant und ohne negative Auswirkungen auf das Unternehmen finanziert werden kann“, sagt Englisch. Bereits Ende des vergangenen Jahres gaben mehr als 70 Prozent der Familienunternehmen, dass die Erbschaftsteuer eine höhere Steuerlast nach sich ziehen werde.

 

Doch die Frage nach dem Nachfolger ist kein rein deutsches Problem. Auch in vielen anderen europäischen Ländern sehen sich Unternehmen dieser Herausforderung gegenüber. In der Schweiz und in Portugal sind es sogar 38 und 34 Prozent der Konzerne, die in den kommenden fünf bis zehn Jahren einen Nachfolger suchen müssen. „Leider scheitert die Übergabe nach wie vor in vielen Fällen“, erklärt Englisch. Deswegen sei es wichtig, sich so früh wie möglich mit der Nachfolge zu befassen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Die KfW rechnet mit einer angemessenen Übergangszeit von etwa drei Jahren.

 

Source: Deutsche Mittelstands Nachrichten

Das Projekt bietet Micro-SMEs an:

  • Einen aktuellen Lagebericht im Bereich Familienunternehmen und Geschäftspraktiken

  • Einen Stundenplan und Übungsmaterial, das sich auf eine Fallstudie, in der Nachfolger mit praktischen Beispielen, Konzepten und Geschäftspraktiken lernten, bezieht.

  • Einen tragbaren Selbstbeurteilungsdienst (auf Android basierende App), welcher einen erfolgreiche Geschäftsübergabe unterstützt.

  • Eine Test-Phase mit 150 micro-SMEs in Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Spanien und in der Türkei.