Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Michael Kappler von Beaconinside.

 

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
In meiner Familie sind alle selbstständig und Unternehmer, deshalb kenne ich das gar nicht anders. Beaconinside ist mittlerweile meine vierte Gründung und ich kann mir meinen Alltag nur schwer anders vorstellen. Für mich ist es besonders wichtig, dass ich uneingeschränkt Entscheidungen treffen kann für die Entwicklung unseres Unternehmens. Das ist für mich das Wichtigste.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up? 
Cornelius und ich haben uns bei KaufDA kennengelernt, wo er für den Aufbau des Mobile Teams zuständig war und ich für das Business Development. Cornelius ging 2012 dann zu ebay, ebenfalls in den Bereich Mobile, wo er auch noch tätig war, als Apple im Sommer 2013 den iBeacon-Standard definierte. Für uns war sofort klar, dass die neue Technologie eine unglaubliche Nutzungsvielfalt mit sich bringen würde. Da wollten wir mit einem eigenen Unternehmen dabei sein und den Markt mitgestalten.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir haben die bisherige Entwicklung mit eigenem Geld und Business Angels finanziert.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Für uns war die recht hohe Unsicherheit am Markt, wenn es um die Beacon-Technologie geht mit die größte Herausforderung. Dazu kommen noch die kom-plexen Abstimmungen bei unseren Kunden, da oft mehrere Abteilungen an der Umsetzung beteiligt sind. Das macht die Entscheidungsprozesse oft sehr lang.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde viel öfter Nein sagen. Gerade bei jungen B2B-Startups ist die Gefahr hoch, dass man für größere Kunden und Anfragen vom Kernprodukt abweicht und es so an-passt, dass es zu viele Ressourcen in Anspruch nimmt. Das kostet langfristig Wachstum und Geschwindigkeit.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig? 
Als B2B-Unternehmen sind für uns Empfehlungen besonders wichtig. Dabei kommt es vor allem auf Zuverlässigkeit, die Produktqualität und eine einheitliche SaaS- und Hardwarelösung an – also alles Faktoren, die erst einmal nichts mit Marketing zu tun haben. Aber gerade der Fokus auf unser Kernprodukt hat dazu geführt, dass mittlerweile bei uns Unternehmen auf der ganzen Welt anfragen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt? 
Da kann ich nur meinen Mitgründer Cornelius Rabsch nennen. Ich könnte mir keinen besseren Partner wünschen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Es sind die Klassiker, aber es sind genau diese Tipps, die im Alltag als erstes ver-loren gehen:
1. Fokussiere Dich auf Dein Kernprodukt.
2. Vermeide Ablenkungen. Dazu gehören auch der Besuch von zu vielen Events.
3. Du musst nicht allen Anfragen gerecht werden und solltest lieber einmal zu oft Nein sagen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde mir mehr Anreize wünschen, um Kooperationen zwischen etablierten Un-ternehmen und Startups zu fördern. Wir sind ein Land der Tüftler und Denker und auch wir beschäftigen uns mit sehr komplexen Produkten rund um die BLE-Technologie.

Wir haben dafür sehr interessierte Partner gefunden, die uns als junges Unternehmen stark unterstützen und uns auch in vielen Punkten entgegenkommen. Für kleine und mittelständische Unternehmen und auch großen Traditionsunternehmen sollte man hier noch mehr Anreize schaffen, um Kooperationen in frühen Phasen zu ermöglichen und diesen Unternehmen teilweise auch Risiken zu nehmen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Neben meinem Job als Gründer engagiere ich mich noch als Investor und Berater bei anderen Startups. Wenn ich nicht mein eigenes Unternehmen hätte, würde ich meine Beratertätigkeit zum Hauptberuf machen und meine Beteiligungen noch stärker unterstützen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen? 
Da fallen mir eine ganze Menge ein, um ehrlich zu sein. Sie aufzuzählen würde jetzt aber zu lange dauern. Es gibt viele tolle Hardware-Start-ups in Deutschland, wie etwa die Teilnehmer vom Hardware.co-Accelerator immer wieder beweisen.

Sie dürfen eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie? 
Zwei Jahrzehnte reichen mir völlig. Ich würde kein einziges Ereignis der letzten 20 Jahre missen möchten. Nur die eine oder andere Entscheidung würde ich heute vielleicht anders treffen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld? 
Grundsätzlich steht für mich die finanzielle Absicherung unseres Unternehmens im Vordergrund. Wenn ich das Geld nur persönlich einsetzen dürfte, dann würde ich es überwiegend konservativ in Immobilien und bei einem höheren Betrag noch als Business Angel in neue Unternehmen investieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit meiner Freundin und unserem Hund in der Natur.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ganz oben auf meiner Liste steht Michael D. Eisner, dem ehemaligen CEO der Walt Disney Company. Ein herausragender Mensch mit einem beeindruckenden Lebenslauf. Wir haben uns bereits häufig schriftlich ausgetauscht, aber leider habe ich ihn noch nie persönlich treffen können.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Michael Kappler ist der Mitgründer und Geschäftsführer von Beaconinside. Gemeinsam mit Cornelius Rabsch hat er das Unternehmen im März 2014 gegründet. Beaconinside bieten den eigenen Kunden dafür eine eigens entwickelte Komplettlösung aus eigener Hardware und einem Beacon Management System.

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Source: In meiner Familie sind alle selbstständig und Unternehmer

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